Überblick über einige negative Folgen der WM: from
Indymedia:
Vom 9.Juni bis zum 9.Juli 2006 ist "die Welt zu Gast bei Freunden" – so das offizielle Motto der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Bei der WM handelt es sich um ein Ereignis mit ungeahnter politischer Reichweite, versuchen doch seit Monaten verschiedenste Akteure alle nur erdenklichen reaktionären Forderungen, mit der Fußball-WM zu rechtfertigen.
Schon im Vorfeld löste das Ausspionieren der Fans Kritik aus. Die Tickets zur WM sind nur im Internet erhältlich, und dort muss ein Fragebogen ausgefüllt werden der laut Datenschützern an Länge und Intimität der Daten mit ALG2-Anträgen mithalten kann. Eine Rechtfertigung, warum ein Ticket zu einem Fußballspiel solche Fragen nötig macht gibt es keine – ebenso wenig wie Antworten, was mit den Daten eigentlich geschieht. Der kommerziellen Nutzung kann nur auf dem Briefweg widersprochen werden.
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Doch nicht nur die Verkaufsmodalitäten der Tickets sind anrüchig – die Eintrittskarten selbst haben es ebenso in sich. Die Tickets sind mit einem sogenannten RFID-CHIP versehen, einem winzigen von außen aus Entfernung auslesbarem Funkchip. Dabei handelt es sich um eine äußerst umstrittene Überwachungstechnik, die u.a. das Erstellen persönlicher Bewegungsprofile ermöglicht, ohne dass der Betroffene dies überhaupt bemerkt, Die Fußball-WM wird nun anscheinend genutzt um dieser gefährliche Technik massenhaft einzusetzen und ihr Akzeptanz in der Bevölkerung zu verschaffen.
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RFID-Chips sind nicht die einzigen Überwachungsmaßnahmen, die im Rahmen der WM zum Einsatz kommen. Im Namen der 'Sicherheit' soll alles ausgeweitet werden, was der Polizeiapparat zu bieten hat. Nicht nur die Videoüberwachung öffentlicher Plätze soll ausgeweitet werden, auch die Polizeipräsenz allgemein soll verstärkt werden. An Bahnhöfen, Flughäfen und auf offener Straße sollen präventive Kontrollen ausgeweitet werden. Das solche Maßnahmen vor allem gegen ungeliebte Gruppen, wie Obdachlose, Punks, MigrantInnen und Homosexuelle zum Einsatz kommen werden, ist ein offenes Geheimnis. Bayerns Innenminister Beckstein möchte zusätzlich öffentliche Plätze auf denen über Videoleinwände die WM zu sehen ist, polizeilich abgeriegeln und mit einer Art 'Einlaßkontrolle' 'sichern'. So werden noch größere Bereiche der Innenstädte für Menschen mit der 'falschen' Haar- oder Hautfarbe zur No-Go-Area.
Schon jetzt machen die bayerischen Gefängnisse Platz für die erwarteten Massenverhaftungen während der WM. Beckstein will dafür spezielle Schnellgerichte einführen, die Verdächtige über Nacht internieren oder aburteilen können.
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Auch die Privatwirtschaft wittert ihre Chance, eigen asoziale und undemokratische Forderungen im Namen der WM durchzudrücken. So fordert die Hamburger Handelskammer und der Einzelhandelsverband etwa ein generelles Bettelverbot in der Innenstadt. In vielen Kommunen ist Betteln und "sich lagern" sowieso schon verboten, die WM bietet nun willkommenen Anlass für die restlichen Städte, die Armen endlich aus ihrem Stadtbild zu verdrängen.
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Womit viele offenbar aber kein Problem haben, sind Panzer und schwerbewaffnete deutsche Soldaten im Stadtbild. Die CDU möchte diesen offenbar erhebenden Anblick zur Normalität machen und die Bundeswehr in Zukunft auch "im Inneren", also gegen die eigene Zivilbevölkerung einsetzen können. Anlass soll natürlich wiedereinmal die Fußball-WM bieten. Glücklicherweise verbiete das Grundgesetz aus den Erfahrungen mit dem deutschen Faschismus heraus solche unsäglichen Phantasien. Kein Grund jedoch, für Schäuble, Beckstein und Co, ihren Traum aufzugeben. Eine Grundgesetzänderung soll her, oder – wenn das wegen der Kürze der Zeit vor der WM nicht mehr klappt – das Gesetz 'phantasievoll' umgangen, also gebrochen, werden.
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Bei der Rechtfertigung des Militäreinsatzes wird ein weiterer Fall der Instrumentalisierung der WM offenbar. Denn die Bundeswehr soll ja vor bösen Muslimen schützen, die nach konservativer Lesart nichts besseres zu tun haben, als brave Christenmenschen den Spaß durch Anschläge auf deutsche Fußballstadien zu vermiesen. Innenpolitisch fügt sich das ganze perfekt in die ständig zunehmende rassistische Hetze gegen Muslime, die in der Propaganda zur finsteren Gegenmacht aufgebaut werden, gegen die nur die bedingungslose Unterwerfung unter die westlichen Staatsinstituionen helfen kann. Auch außenpolitisch ist die WM im Kulturkampf verwertbar. Ausgerechnet die iranische Fußballmannschaft – in ihrer Heimat wegen ihrer kurzen Hosen selbst mißtrauisch beäugt – samt ihrer Fans wird da von manchen Extremisten zum Sündenbock gemacht. Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen gegen den Iran fordern da etwa Politiker den Ausschluss des Iran von der Fußball-WM
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Man kann nur hoffen, das solche unsäglichen Debatten die iranischen Fans nicht davon abhalten lassen ihre Mannschaft bei der WM genauso zu unterstützen und wie das alle Fans anderer Nationalität auch tun. Aber vor allem sollten die deutschen Fans derartiger rassistischer Stimmungsmache eine klare Absage erteilen.