Neger, Moslems und Kommunisten

«Neger, Moslems und Kommunisten»: Italiens Ex-Minister
Roberto Calderoli möchte bei den Blauen nur Weiße sehen.
Quellen siehe u.a. hier und dort




Fifa-Sprecher Markus Siegler gestern zu BILD: „Die WM in Deutschland war wunderbar. Aber die nächste findet wie geplant in Südafrika statt.“Anbietern wie z.B. Freenet war die Meldung dann doch nicht zu blöd, um sie radikalisiert und ohne Fragezeichen gleich auf die Startseite zu packen. Nach den Dementis verschwanden diese "Nachrichten" dann auch einen Tag später gelich wieder aus dem Netz. Einen Abklatsch kann man noch hier lesen.


Schon während der ganzen WM gab es rassistische Übergriffe, spätestens seit der deutschen Niederlage gegen Italien brechen alle Dämme. Riotpropaganda hat
eine kleine Übersicht bekannter Vorfälle zusammengestellt.
So langsam scheint die Fassade des WM Mottos doch ein bsichen zu bröckeln, denn die Übergriffe häufen sich, auch wenn die Organisatoren immer wieder durch Aktionen wie folgende zu übertünchen:
In Hamburg wurde ein zwölfjähriges Mädchen von dem 36 Jahre alten Andreas B. vor dem WM-Spiel Argentinien vs Deutschland vergewaltigt.
Er wurde in der letzten Nacht verhaftet.
(Quelle: Hamburger Abendblatt vom 6. Juli)Übegriffe nach dem Halbfinalaus:
Zu einer Massenschlägerei mit rund 200 Beteiligten kam es in Zweibrücken. Die Polizei verhaftete nach dem Zwischenfall an einer zentralen Bushaltestelle 12 Personen und sprach knapp 200 Platzverweise aus. Ernsthaft verletzt wurde aber niemand.
In Frankfurt, wo am Main sowie im WM-Stadion über 100 000 Personen das Spiel auf Grossleinwand verfolgten, nahm die Polizei vorübergehend 30 Personen wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen leichter Körperverletzungen fest.
Im ostsächsischen Hoyerswerda haben nach der deutschen Niederlage etwa 150 Randalierer erheblichen Sachschaden angerichtet. In der Innenstadt gingen Papierkörbe in Flammen auf und zahlreiche Flaschen zu Bruch.
In Berlin gab es 45 Festnahmen wegen Beleidigung, Körperverletzung und Drogen gegeben. Drei Deutsche wurden festgenommen, weil sie den Hitler-Gruss zeigten.
Ein enttäuschter Fan attackierte laut Polizei im Berliner Stadtteil Zehlendorf den Fahrer eines Nachtbusses und schlug ihm eine Flasche auf den Kopf. Der verletzte Busfahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und rammte anschliessend ein Auto.Etwa 25 frustierte Fans haben in Quedlinburg im Harz ein italienisches Restaurant attackiert und dabei Tische und Stühle umgeworfen.
Die Polizei verhinderte weitere Übergriffe ebenso wie im nördlichen Sachsen-Anhalt, wo in Stendal etwa 40 Personen zu einem italienischen Eiscafe gezogen waren.
In Magdeburg wurde der Wirt eines italienischen Restaurants bei einer Rangelei leicht verletzt. Zuvor hatten Randalierer die Blumenkästen an der Gaststätte umgekippt.
(Quelle: http://www.baz.ch/)
In Bayern gerieten enttäuschte Deutsche und feiernde Italiener immer wieder aneinander. Es wurden Mülltonnen und Blumenkübel umgeworfen und Verkehrsschilder beschädigt.
In Amberg wurde eine Pizzeria mit rohen Eiern beworfen.
In Erlangen musste ein Polizist in einer Klinik behandelt werden, weil er von einem 23-Jährigen in die Nase gebissen wurde.
Im fränkischen Burgkunstadt verletzten zwei Männer einen Italiener.
In Ingolstadt sprang ein 18-Jähriger aus seinem Wagen, verprügelte mehrere Passanten und würgte eine Polizistin.
In München wurden 34 Personen wegen kleinerer Delikte wie Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung festgenommen.Zu kleineren Schlägereien unter enttäuschten Fans kam es auch in Dortmund. “Eine Mischung aus Hitze, Alkohol und Emotionen kam da zusammen”, sagte ein Polizeisprecher. 40 Personen kamen in Gewahrsam. Auch auf der Kölner Fan-Meile musste die Polizei bei Schlägereien eingreifen.
In Karlsruhe und Stuttgart wurden 13 Randalierer vorläufig festgenommen.
Bei Handgreiflichkeiten in Calw und Nagold in Baden-Württemberg wurden mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt. So wurde ein 32 Jahre alter Mann von seinem Kontrahenten über ein Brückengeländer geworfen. Das Opfer stürzte in einen vier Meter tiefer fließenden Bach und zog sich einen Wirbelbruch zu. Zwei Männer wurden krankenhausreif geschlagen.
In Cuxhaven warfen 200 alkoholisierte Fans leere Flaschen auf Beamte. Gegen zwei 17 und 20 Jahre alte Randalierer wird wegen schweren Landfriedenbruchs ermittelt.
In der Schweriner Innenstadt wurden ein Altglascontainer und Verkehrsschilder, Pflanzenkübel und Litfasssäulen umgeworfen. Ein Unbekannter warf die Fensterscheiben einer Straßenbahn ein.
In Magdeburg wurde bei einer Auseinandersetzung mit Fans ein Gaststätteninhaber leicht verletzt.
In Quedlinburg warfen etwa 25 Personen Stühle und Tische eines italienischen Lokals um.
In Frankfurt am Main gab es laut Polizei in der gereizten Stimmung ebenfalls “ein paar Scharmützel” zwischen Deutschen und Italienern. Ein Deutscher wurde nach einem Tritt gegen ein italienisches Fan-Auto festgenommen. Bei einer Schlägerei erlitt ein Mann einen Kieferbruch.
In Rostock wurden Mülltonnen umgeworfen und die Türen zweier Geschäfte beschädigt. In Neubrandenburg besetzten etwa 45 meist Jugendliche den Ring. Trotz mehrmaliger Aufforderung durch Polizeikräfte den Ring zu verlassen griffen ein Teil der meist jugendlichen Täter die Polizei an. Ein Polizeibeamter wurde dabei verletzt und ein Jugendlicher musste vorläufig festegenommen werden.
(von Indymedia-Artikel zusammengestellt)
“ERFURT. […] So kam es in der Nacht zum Mittwoch inder Erfurter City zu einigen Ausschreitungen, rassistischen Äußerungen und Sachschäden. Die Polizei sprach zahlreiche Platzverweise aus und nahm zwei Männer vorläufig fest.
[…]
In der Schlösserstraße und am Fischmarkt wurden Streifenwagen der Polizei mit Flaschen attackiert und leicht beschädigt. Ein Mann wurde wegen Sachbeschädigung vorläufig festgenommen, ein weiterer, der als gewaltbereiter Sportfan bekannt sei, wegen Zeigen des Hitlergrußes, teilte der Polizeisprecher mit. Im Eiscafé Polo am Anger sowie am Restaurant Rossini am Fischmarkt ging eine Scheibe zu Bruch. Täter unbekannt.
Vor dem Rathaus hätte eine aufgeputschte Menge versucht, eine Italienfahne anzuzünden, schilderte ein Augenzeuge gegenüber TA. Die Polizei habe das aber verhindern können. Zwischen Fischmarkt und Anger habe es schlimm ausgesehen: zig umgeworfene Mülltonnen sowie Stühle von Geschäften und immer wieder Glassplitter zerborstener Flaschen.
Vor der Pizzeria Roma auf dem Anger drohte die Situation zu eskalieren. “Eine wild gewordene Horde beschimpfte die Mitarbeiter teilweise aufs Übelste mit rassistischen Parolen”, so Birgit Mittenzwey, Als sie den Chaoten entgegen trat, wurde auch sie angepöbelt und herum geschuppt. “Es war beschämend, wie sich die Deutschen gegenüber den Italienern verhalten haben.” Die Polizei war zunächst nur spärlich vertreten und habe sich zurück gehalten. Erst als Verstärkung kam und es 20 Platzverweise hagelte, normalisierte sich die Lage wieder.”
(Thüringer Allgemeine, Erfurter Ausgabe online, 06.07.06)Friedrichshafen
In der Nähe der Arena konnte die Polizei unter Einsatz starker Kräfte eine Eskalation noch rechtzeitig verhindern. Zwei Gruppen von rund 30 Personen standen sich gegenüber, mehrere Personen waren bereits leicht verletzt. 15 Personen aus der rechten Szene nahm die Polizei in Gewahrsam. Rund eine Stunde später zogen weitere 15 Radikale, teils vermummt und Parolen skandierend, durch die Stadt zum Bahnhof. Dort konnte die Polizei eine Konfrontation mit italienischen Fans gerade noch abwenden. Weitere zwölf Beteiligte wurden in Gewahrsam genommen.
(Südkurier vom 5.7.)Im Erzgebirge suchten wütende Fans ein italienisches Eiscafé in Glauchau auf. Stühle wurden umgestoßen, Palmentöpfe auf die Straße geworfen. Später ließen die Unbekannten ihre Wut an Straßenschildern und Mülltonnen aus. Es entstand laut Polizei ein Sachschaden von rund 2500 Euro. In Görlitz randalierten 15 junge Leute. Sie beschädigten unter anderem die Tür einer Pizzeria sowie Schaufensterscheiben von weiteren zwei Lokalen.
(aus: Leipziger Volkszeitung)Und die Bild macht gleich deutlich wie das Motto gemeint ist:
“Wir sind weiter schwarz-rot-gold geil… …… weil die Welt zu Gast bei Freunden ist – das gilt bis Sonntag!”Bleibt zu hoffen, dass sich die Träume der Bildredaktion nicht erfüllen und nach dem Spiel um Platz3 und nach Sonntag es nicht zu rassitischen Übergriffen kommt…
…und sollte der Mob es dennoch versucht, heißt es “Fight Back against Fascism and Rascism!”
Ergänzung
Noch mehr Übergriffe…
siehe sammelsurium






Millionen fiebern mit der deutschen Nationalmannschaft. Oh, wenn wir doch nur Weltmeister werden würden. Ach dann, dann wäre die Welt viel schöner. Herr Müller lebt in der Zukunft und da ist Deutschland Weltmeister:



Auslöser der Tumulte soll eine Geste von DFB-Mittelfeldspieler Tim Borowski gewesen sein.Fotostrecke
...
Nach der Entscheidung zugunsten der DFB-Elf lief der argentinische Ersatzspieler Leandro Cufre auf Per Mertesacker zu und trat diesen. Offenbar verwechselte Cufre den deutschen Abwehrspieler mit Borowski.
...
Auch Bierhoff bekam nach eigenen Angaben Schrammen am Bein ab.
Spiegel
QuelleStraßenfußball-WM in Berlin (02.-08.07.06)
Visaprobleme: WM ohne Afrika
Von Olaf Jansen
Die Straßenfußball-WM in Berlin sollte zeigen: Alle Menschen auf dieser Welt sind gleich. Wie gleich sie wirklich sind, zeigt die politische Wahrheit. Zwei afrikanischen Teams wurde die Einreise nach Deutschland verwehrt. Wegen Fluchtgefahr bekamen die Spieler kein Visum.
Berlin-Kreuzberg, Mariannenplatz: Seit Beginn der Woche wird trainiert, was das Zeug hält. Am Sonntag (02.07.06) beginnt dort die Straßenfußball-WM. Parallel zur "richtigen" Weltmeisterschaft ermitteln 16- bis 21-Jährige aus der ganzen Welt die besten Straßenfußballer. Schon eine gute Woche vorher sind die Teams angereist, um sich auf das große Ereignis einzustimmen.
Zwei Teams fehlen aber: "Play Soccer" aus Ghana und "Search & Groom" aus Nigeria erhielten keine Visa. "Wir bedauern die Entscheidung zutiefst", sagt Jürgen Griesbeck. Er ist bedient. Der Geschäftsführer von "streetfootballworld", das die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der FIFA vorbereitet, hat erklärt: "Hier ist eine große Chance vertan worden, der Welt zu zeigen, dass der Fußball auch in diesen Ländern Perspektiven schaffen kann, um das Leben junger Menschen zu verbessern."
Doch nicht alle gleich
Dass ausgerechnet zwei Teams aus Afrika aus politischen Gründen nicht mit dabei sein können, ist ebenso bitter wie bezeichnend. Denn die Veranstaltung sollte gerade Jugendliche aus aller Welt verbinden und zeigen: Wir sind alle gleich. Den afrikanischen Jugendlichen wurde nun aber unterstellt, eine Reise nach Deutschland möglicherweise zur Flucht zu nutzen. Die Bindungen in ihrer Heimat seien nicht stark genug, so die Begründung der Deutschen Botschaften in den Ländern.
Eine beinahe höhnische Begründung, denn jedermann ist schließlich klar, dass das Leben für sozial benachteiligte Jugendliche in armen Ländern wie Nigeria und Ghana kein Zuckerschlecken ist. Feste Bande in die Heimat können somit überhaupt nicht bestehen, so dass eigentlich von vorneherein hätte klar sein müssen, dass afrikanische Teams gar nicht teilnehmen können.
Peinlicher Vorgang
Ein peinlicher Vorgang auch für die deutsche Politik. Grünen-Fraktionsvize Christian Ströbele hatte angekündigt, am vergangenen Mittwoch die Visa-Erteilung für die afrikanischen Jugendlichen im Bundestag zum Thema machen zu wollen, von einem Ergebnis seines Vorstoßes wurde nichts bekannt. Und Jürgen Klinsmann, Schirmherr der Veranstaltung, konnte wegen anderer dringender Termine auch nicht mehr eingreifen.
So bleiben jetzt noch 22 Teams, die ab Sonntag in einem Bolzplatz-Stadion vor 2.200 Zuschauern um den Sieg spielen. Mannschaften zum Beispiel aus Costa Rica, den USA, Afghanistan, Peru, der Türkei oder Bolivien gehen zu Fünferteams ins Rennen. Es kommt an auf Technik, Zweikampfstärke, aber auch Fairness. Wer ohne Fouls auskommt, kann zusätzliche Punkte sammeln. Eine rundum gelungene Idee, die noch schöner wäre, wenn sie soziale Grenzen überwinden könnte. Dagegen spricht der Visa-Eklat. Die Lücken im Spielplan, die mit dem Fehlen der afrikanischen Mannschaften entstanden sind, werden im übrigen nicht gefüllt. Stattdessen laufen Clips und Bilder aus afrikanischen Straßenfußballprojekten auf der Großbildleinwand im Stadion.

Wider den nationalen Taumel
Von Anna Bilger, Lars Langenau und Christopher Stolzenberg
Deutschland schwarz-rot-gold. Opposition gegen den nationalen WM-Freudentaumel ist derzeit eine einfache Möglichkeit, seine Mitmenschen in Wallung zu bringen. Nie war es für Linke und Linksextreme leichter, Landesverrat zu begehen.
"Deutschland muss sterben, damit wir leben können. Deutschland verrecke, damit wir leben können, Deutschland!"
Schlussverse des Liedes "Deutschland muss sterben" der Hamburger Punkrocker "Slime"
Samstagabend. Hamburg. Schanzenviertel. Schulterblatt. Überall stehen Fernsehgeräte auf der Straße im Zentrum des multikulturellen Stadtviertels. Die Plätze vor den Restaurants, Kneipen und Bars sind bis auf den letzten Platz belegt. Es ist Halbzeit beim WM-Spiel Deutschland gegen Schweden. Die Menschen auf der Straße sind im Siegesrausch.
Dann erklimmt eine Gruppe von Vermummten das Dach des autonomen Veranstaltungszentrums Rote Flora, und stellt die Boxen an. Deutscher und britischer Punkrock dröhnt über die Straße - und immer wieder der Gassenhauer der autonomen Szene "Deutschland muss sterben". Weder das eigene Wort, geschweige denn die Kommentare zum Spiel sind noch zu verstehen. Dann fliegen Wasserbomben vom Dach auf vorbeifahrende Cabriolets. Die kleine radikale Minderheit auf der Roten Flora ist redlich darum bemüht, den nationalen Freudentaumel zu stoppen. Nie war es leichter Landesverrat zu begehen. Doch die Gäste auf dem Schulterblatt lassen sich ihre Freude nicht verderben. Misstöne beim "schwarz-rot-geilen" ("Bild") Freudenfest sind unangebracht.
Am Wochenende warnte dann das Berliner Landeskriminalamt gar vor den handfesten, linksradikalen Gewalttätern der "Militanten Gruppe": Die "MG" soll laut einer LKA-Analyse Brandanschläge auf WM-Sponsoren planen. 35 derartige Anschläge auf Konzerne, Autohäuser und Polizeistationen hatte sie bereits in den vergangenen Jahren unternommen.
Doch nicht nur der linksextremistischen Szene, sondern auch vielen gemäßigten Linken widerstrebt der neue, fahnenschwenkende Patriotismus: Bereits lange vor der WM wetterte die Naturfreundejugend Berlin gegen "Horden wild gewordener Fußballfans" und rief zudem die Internetinitiative "Vorrundenaus 2006" ins Leben. Die Vertretung der Naturfreunde in der Hauptstadt behaupteten fern jeder Empirie: "Fußball schafft einen Raum, in dem zum Beispiel Nationalismus und Sexismus besonders offensiv und aggressiv ausgelebt werden."
Tausche Fahne gegen Antifa-T-Shirt
In der Hamburger Roten Flora werden dem Vernehmen nach seit geraumer Zeit Auto-Wimpel gesammelt - im Tausch gegen ein Fähnchen soll es einen Euro geben. "Die deutsche Fahne ist niemals nur ein Fußball-Wimpel", meint auch Julia Bonk. Die 20-jährige Linkspartei-Abgeordnete im sächsischen Landtag will die Deutschlandfähnchen ebenfalls aus dem Verkehr ziehen - im Tausch gegen T-Shirts mit der Aufschrift "Nazis raus aus den Köpfen". Für Bonk und ihre Mitstreiter der Jungen Linken ist die Flagge ein sehr spezielles Symbol. "Deutschland hat eine spezifische Vergangenheit, darum können wir mit unsere Fahne nicht so selbstverständlich umgehen wie andere Länder", sagte Bonk zu SPIEGEL ONLINE. Ihr gehe es darum, sich gegen den herrschenden Mainstream zu stellen, gegen ein unreflektiertes Verhältnis zur Nation.
Doch die Fahnen-Ausbeute ist bislang relativ mickrig: Bei der PDS-Jugendorganisation wurden bis Montag lediglich 29 Flaggen und Wimpel abgegeben. Von ihrer eigenen Fraktion wird die Abgeordnete nicht unterstützt. Bonk spreche nicht für die gesamte Partei, erklärte der sächsische PDS-Fraktionschef Peter Porsch. Er soll Julia Bonk wegen der Aktion so laut angebrüllt haben, dass es noch einige Büros weiter zu hören war. In einer Mitteilung erklärte er, die von der jungen Abgeordneten ausgegebene Losung zeuge von "weltfremder Arroganz".
Kritik an nationalen Symbolen ist derzeit ein schwieriges Terrain. So ruderte die "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" in der Debatte um die Nationalhymne kürzlich zurück. Die GEW Hessen hatte zunächst gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden Ulrich Thöne die Broschüre "Argumente gegen das Deutschlandlied" von 1989 neu veröffentlicht. Nach heftiger interner und öffentlicher Kritik räumte Thöne inzwischen jedoch Fehler ein und entschuldigte sich für die Aktion. Die GEW wolle nicht "den Fans die Fußball-WM vermiesen", heißt es in einer Stellungnahme. "Wenn heute junge Fußballfans die Nationalhymne singen, tun sie das aus Lebensfreude und zur Unterstützung der deutschen Mannschaft."
In der Broschüre von 1989 fordert der Frankfurter Wissenschaftler Benjamin Ortmeyer das Deutschlandlied als Nationalhymne abzuschaffen. Er beschäftigt sich vor allem mit der Interpretation des Liedes während der Nazi-Zeit. Damals habe auch die dritte Strophe, die heute als Hymne gesungen wird, der nationalsozialistischen Ideologie gedient. Für Opfer der NS-Diktatur sei das Lied nicht zumutbar, folgert Ortmeyer damals.
Seine Aussagen seien auch 17 Jahre später noch gültig, sagte der Wissenschaftler jetzt zu SPIEGEL ONLINE. Der neue Patriotismus stimme ihn keineswegs "freudig". Es sei wichtig, gerade in der Schule auf Kontroversen in der Geschichte hinzuweisen. Zum Beispiel darauf, dass der Verfasser des Deutschlandliedes, Hofmann von Fallersleben, kein Demokrat, sondern Antisemit gewesen sei.
Julia Bonk und die Junge Linke Sachsen haben Ortmeyers Broschüre trotzdem bestellt. Die junge Abgeordnete hat die Debatte um das Lied mit Interesse verfolgt, findet den Rückzieher der GEW aber "gewissermaßen traurig". "Das zeigt doch, dass es bereits ein nationales Einheitsgefühl gibt, gegen das man sich nicht mehr stellen kann", sagt Bonk. Und sie fügt hinzu, es gehe ihr in der ganzen Diskussion nicht darum, den Menschen den Fußballspaß zu verderben.
Außerdem habe auch sie sich einige Spiele angesehen, sich aber nicht dazu durchringen können, einer der Nationalmannschaften die Daumen zu drücken: So habe sie einfach während der Spiele beide Teams angefeuert, abwechselnd.





T-Shirts kann man, wie schon mal festgestellt, auch selber herstellen. Entweder oldschool mit selbstgemachter Schablone und Spray, oder z.B. mit sog. Transferfolien für den Tintenstrahldrucker (für Laserdrucker braucht man andere). Wem das alles zu viel Arbeit ist, der kann sich sein T-Shirt auch in entsprechenden Läden (z.B. viele Copyshops) machen lassen. Und wer gar nicht mehr aus dem Haus gehen mag, kann sich sogar im Netz sein T-Shirt selbst designen (z.B. hier).
Die Fußball WM 2006 in Deutschland darf für Polizei, Bundeswehr und bürgerlichen Politikern nicht zum Experimentierfeld für die Aufstandsbekämpfung des Widerstands gegen Sozialabbau und imperialistischem Krieg mißbraucht werden!Veranstaltet wird das ganze von den Spielverderbern. Auf ihrer website finden sich auch weiterführende Infos zur Ausweitung überwachungsstaatlicher Maßnahmen oder der Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der WM.
Heute geht es gegen sogenannte Hooligans und linke Chaoten, morgen gegen streikende Kollegen und demonstrierende Schüler, Studenten und Erwerbslose!
•Für die Auflösung des Schlägertrupps und der Aufstandsbekämpfungseinheit USK!
•Für die Löschung der „Gewalttäterdatei Sport“ und der LIMO-Datei
•Gegen Überwachungsstaat und Polizeistaatsmethoden!
•Für das Recht auf informationelle Selbstbestimmung! Meine Daten gehören mir!
•Für eine Fan-Kultur, die nicht durch Konsum- und Profitinteresse geprägt ist!

WM-SPIEL IN MÜNCHEN
Zu Gast bei Schlägern
Von Sebastian Christ
SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Sebastian Christ wollte sich am Freitag mit Deutschland-Trikot und polnischer Flagge einen netten Abend in München machen. Doch seine binationale Ausstattung, die er "im Selbstversuch" durch München trug, gefiel nicht allen Fans. Zwei Thüringer jagten ihn schließlich durch einen Park. Hier sein Protokoll.
München - "Polacke!" Schon nach hundert Metern werde ich zum ersten Mal angepöbelt. Es ist Fußball-WM, der Tag des Eröffnungsspiels. In zehn Minuten beginnt das zweite Spiel, Ecuador gegen Polen. Und ich will mit Deutschland-Trikot und Polen-Fahne die etwa 500 Meter von meiner Wohnung zum Fan-Fest zu gehen. Es ist ein kleiner Selbstversuch: Gibt es Ressentiments gegen Polen und ausländische Fans im Allgemeinen?
Das ist im Prinzip schon alles, und doch nicht die ganze Geschichte: Denn den Rückweg wird meine Fan-Montur nicht überstehen.
Ich mag Polen, habe dort einen Teil meiner Studienzeit verbracht. Die deutsch-polnische Freundschaft liegt mir am Herzen. Für mich gibt es nichts Natürlicheres, als auch die Elf von Pawel Janas lautstark zu unterstützen. Doch es gibt Münchner, die das anders sehen.
Schon 50 Meter weiter werde ich wieder angemacht: "Die Fahne ist scheiße", schnauzt mich ein besoffener Mann mit bayerischem Akzent an. Vor ihm steht ein halbleerer Bierkasten. Seine Augen sind glasig, der Kopf ist rot. Die Welt zu Gast bei Freunden?
"Heute gestohlen, morgen in Polen"
Ich bin noch nicht ganz auf der Brücke zum Stadion angelangt, als mich wieder jemand beleidigt. Ein sogenannter Fan im deutschen Nationaltrikot. Er leiert einen der ältesten Wortwitze herunter, den es in deutscher Sprache gibt: "Heute gestohlen, morgen in Polen." Ich versuche ihn versöhnlich zu stimmen. Doch den Hinweis darauf, dass Nationalstürmer Miroslav Klose auch in Polen geboren ist, lässt er nicht gelten. "Ja, ja", sagt er nur. Und grinst.
Das Spiel selbst läuft katastrophal für Polen. Die vielleicht 500 polnischen Fans sind ruhig, kaum vernehmbar. Sie gehen in der großen Menge unter. Auf den Rängen liegen Berge von Müll: Bierflaschen, Essensreste, auch wertlose Werbegeschenke, die von den Sponsoren in Tausenderstückzahlen unters Publikum geschmissen wurden. Am Coubertinplatz zwischen Stadion und Leinwand feiern immer noch Hunderte Deutsche. Die meisten sind betrunken, manch einer von ihnen schläft auf den grünen Hügeln des Parks seinen Rausch aus. Einer will mir die Hand schütteln als er meine Fahne sieht, verfehlt aber und haut ins Leere. Im Polizeibericht vom 9. Juni heißt es, dass insgesamt neun Menschen im Olympiapark festgenommen wurden. Ein friedliches Fest, so das Fazit des Polizeisprechers.
Es wird langsam kalt. Nach dem 1:0 für Ecuador mache ich mich wieder auf den kurzen Rückweg. Ich werde mehr als eine Stunde dafür brauchen.
Als ich die Brücke vom Stadion weg verlasse, raunt mir ein Mann mit thüringischem Dialekt von der Seite zu: "Was willst Du denn mit der Fahne?" Ich drehe mich zu ihm hin: "Wieso?" Er sagt: "Du kannst doch hier nicht mit der polnischen Fahne rumlaufen. Deutschland-Trikot und Polen-Fahne, das passt nicht."
Der Mann wird zusehends aggressiver. Er hat keine Glatze und keine Springerstiefel. Seine Haare sind dunkel und kurz. Ich sage ihm, dass beides sehr wohl zusammenpassen kann. Das ist ihm egal. Die Leute aus seiner Gruppe halten ihn von nichts ab, sein nationalistisches Gerechtigkeitsempfinden läuft auf Übertouren. In den Augen blitzt Streit, sie verfolgen mich. Schließlich stellt er sich mir in den Weg und packt mich am Arm. "Du erklärst mir jetzt sofort, warum du hier mit der Polen-Fahne herumläufst. Eher kommst hier nicht weg." In mir reift langsam die Erkenntnis, dass ich in der Klemme stecke. Von hier aus kann ich fast meinen Studentenbungalow sehen. Aber es ist zu weit um dort hinzulaufen. Zu viele Hügel, zu viele Hindernisse.
Ich drohe ihm mit der Polizei. Das macht ihn erst recht rasend. "Du kriegst Schläge, wenn Du die Polizei rufst." Er schubst mich durch die Gegend. An uns gehen Dutzende Fans vorbei, die alle wegschauen. Ich sage laut, dass er mich einfach nur in Ruhe lassen soll. Keiner reagiert.
Stammtischbrüder auf Erlebnisreise
Ein zweiter Thüringer kommt hinzu. Sie tragen beide Deutschland-Shirts. Auf ihrem Rücken steht der Name ihres Heimatortes: Bickenriede im Eichsfeld. Sie sind Stammtischbrüder, wohl auf Fußball-Erlebnisreise in München.
Ich wähle 110 und setze einen ersten Notruf ab. Es dauert endlose zehn Sekunden, bis ich durchgestellt werden. Die beiden beschließen, mich jetzt durch den Park zu jagen. Ich laufe so schnell ich kann eine Böschung hinunter, dann einen Hügel hinauf. In der rechten Hand habe ich die Fahne, in der linken das Handy. "Kommen sie schnell", brülle ich ins Telefon. Die beiden haben mich fast. Ich schlage einen Haken, renne in die andere Richtung. Jetzt folgt mir nur noch einer von ihnen. Während ich mein Handy in die Tasche stopfe, kommt er immer näher. Dann hat er mich. Ich rutsche aus. Er würgt mich, reißt an meinem Trikot, drückt mir seinen Handballen ins Gesicht. Dann nimmt er meine Fahne und zerbricht den Stock über seinem Knie.
Mir gelingt es kurze Zeit später die berittene Polizei auf die beiden aufmerksam zu machen. Als der Polizist nach den Personalien fragt, sagen die beiden Männer aus Bickenriede, dass sie keinen Ausweis dabei hätten. Sie bestreiten alles. Ich spüre eine Art Korpsgeist unter den beiden: Wir halten dicht. Mindestens einer von ihnen macht offensichtlich falsche Angaben. Dann dürfen sie nach Hause gehen.
Der Polizist auf seinem Pferd schreibt meine Personalien auf. Er macht mir wenig Hoffnung darauf, dass die Sache ein Nachspiel hat. "Wir haben da gewisse Probleme mit der Beweisführung", sagt er, als ich ihm erkläre, dass ich den Vorfall für fremdenfeindlich halte. Er sagt: "Sie sind halt kein Afrikaner."

Mut und Feigheit können nah beinander liegenMutig hatte die GEW die Broschüre “Argumente gegen das Deutschlandlied - Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation” gerade zur Fussball-WM wieder aufgelegt. Im Vorwort heißt es:
„Mit dieser Neuauflage erinnern wir an die Kritik des Deutschlandliedes aus dem Jahre 1989/90. Die eine oder der andere mag sich fragen, warum die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft dies gerade zur Fußballweltmeisterschaft 2006 tut. In der ersten Auflage hatte unser damaliger Bundesvorsitzender, Dieter Wunder, wohl auch in Hoffnung auf eine grundlegendere Aufarbeitung und Weiterentwicklung der Geschichte im Rahmen des Vereinigungsprozesses, in einer Presseerklärung pointiert formuliert: das „Deutschlandlied gehört ins Museum“. (Presserklärung vom 19. August 1991). Die heutige Stimmung, dass wir doch jetzt erst recht „wieder wer sind“, und doch seit 1990 weitere 16 Jahre zur Zeitspanne 1933- 1945 vergangen sind, also ein angeblich „natürlicher Patriotismus“ angesichts der gesellschaftlichen Probleme in diesem Land die richtige Antwort sei, all das ist uns nicht unbekannt. Als Bildungsgewerkschaft GEW treten wir ganz bewusst und ganz ausdrücklich solchen Stimmungen des Nationalismus und der „deutschen Leitkultur“ entgegen und betonen die Notwendigkeit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart des Nationalismus in Deutschland und eben auch mit der Geschichte und Gegenwart des „Deutschlandliedes“, der Nationalhymne. Die Analyse von Benjamin Ortmeyer „Argumente gegen das Deutschlandlied“ leistet dafür einen fundierten Beitrag…“
Autoren des Vorworts sind Ulrich Thöne und Jochen Nagel. Eben jener Ulrich Thöne, der Vorsitzende der GEW, schrieb allerdings gestern, nachdem es wohl - Überraschung - zu negativen Reaktionen auf die Broschüre gekommen war, folgendes:
Stellungnahme des Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, zur aktuellen Diskussion um die deutsche Nationalhymne
1.Der hessische GEW-Landesverband hat zur Fußball-WM eine Broschüre aus dem Jahr 1989 neu aufgelegt. Der Titel: „Argumente gegen das Deutschlandlied“. Damals schien es möglich, dass für das vereinte Deutschland eine neue, zukunftsweisende Hymne gefunden werden könnte. Ich habe gemeinsam mit dem hessischen Landesvorsitzenden Jochen Nagel das Vorwort zu dieser Neuauflage geschrieben. Mit dem Vorwort wollten wir einen Beitrag zu einer kritischen Diskussion über die Nationalhymne leisten. Das hat bei vielen Menschen leider den Eindruck erweckt, die GEW wolle den Fans die Fußball-WM vermiesen oder spreche sich gar aktuell für ein Verbot oder die Abschaffung der Nationalhymne aus. Wir bedauern diesen Fehler und entschuldigen uns bei allen - vor allem den Pädagoginnen und Pädagogen - für den ihnen entstandenen Schaden.
2.Bereits im Vorfeld der Fußball-WM hatte die GEW in einer Presseerklärung am 7. Juni 2006 zum Engagement aller demokratischen Organisationen aufgerufen, um die Weltmeisterschaft zu einem weltoffenen und gastfreundlichen Ereignis zu machen. Rechtsradikale Störer sollten keine Plattform für ihre dumpfen Parolen bekommen. Dieser Wunsch aller Demokraten ist bisher in hervorragender Weise erreicht worden. Das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wurde von den friedlichen Fans vorbildlich mit Leben erfüllt. Wenn heute junge Fußballfans die Nationalhymne singen, tun sie das aus Lebensfreude und zur Unterstützung der deutschen Mannschaft.
3.Diese Klarstellung konnte leider erst jetzt erfolgen, da ich mich bis gestern auf einem lange vorbereiteten Besuch bei der israelischen Partnergewerkschaft der GEW befunden habe. Zur Klarstellung gehört auch, dass diese Broschüre nicht an die Schulen, sondern vom Landesverband der GEW Hessen an seine Vertrauensleute geschickt wurde.
Na, Herr Thöne, als ob von 33-45 nicht aus voller Brust und “aus Lebensfreude und zur Unterstützung der deutschen Mannschaft” die Nationalhymne gegröhlt worden wäre. Das ist aber leider nicht das Kriterium.
Worauf es wirklich ankommt, haben Sie im Vorwort zur Broschüre doch selbst geschrieben:
“Was wir […] ganz und gar nicht gebrauchen können ist ein Nationalismus, der die immer größer werdende soziale Kluft in diesem Land übertünchen soll”
Leider wird nun der Eindruck erweckt, dass es die GEW für einen Fehler hält, den mit der WM einhergehenden Nationalismus und die Identifikation mit der Nation über den Fussball, zu kritisieren.
Die Einleitung und das erste Kapitel der besagten Broschüre gibt’s bei Labournet als PDF
Mutig hatte die GEW die Broschüre “Argumente gegen das Deutschlandlied - Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation” gerade zur Fussball-WM wieder aufgelegt. Im Vorwort heißt es:
„Mit dieser Neuauflage erinnern wir an die Kritik des Deutschlandliedes aus dem Jahre 1989/90. Die eine oder der andere mag sich fragen, warum die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft dies gerade zur Fußballweltmeisterschaft 2006 tut. In der ersten Auflage hatte unser damaliger Bundesvorsitzender, Dieter Wunder, wohl auch in Hoffnung auf eine grundlegendere Aufarbeitung und Weiterentwicklung der Geschichte im Rahmen des Vereinigungsprozesses, in einer Presseerklärung pointiert formuliert: das „Deutschlandlied gehört ins Museum“. (Presserklärung vom 19. August 1991). Die heutige Stimmung, dass wir doch jetzt erst recht „wieder wer sind“, und doch seit 1990 weitere 16 Jahre zur Zeitspanne 1933- 1945 vergangen sind, also ein angeblich „natürlicher Patriotismus“ angesichts der gesellschaftlichen Probleme in diesem Land die richtige Antwort sei, all das ist uns nicht unbekannt. Als Bildungsgewerkschaft GEW treten wir ganz bewusst und ganz ausdrücklich solchen Stimmungen des Nationalismus und der „deutschen Leitkultur“ entgegen und betonen die Notwendigkeit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart des Nationalismus in Deutschland und eben auch mit der Geschichte und Gegenwart des „Deutschlandliedes“, der Nationalhymne. Die Analyse von Benjamin Ortmeyer „Argumente gegen das Deutschlandlied“ leistet dafür einen fundierten Beitrag…“
Autoren des Vorworts sind Ulrich Thöne und Jochen Nagel. Eben jener Ulrich Thöne, der Vorsitzende der GEW, schrieb allerdings gestern, nachdem es wohl - Überraschung - zu negativen Reaktionen auf die Broschüre gekommen war, folgendes:
Stellungnahme des Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, zur aktuellen Diskussion um die deutsche Nationalhymne
1.Der hessische GEW-Landesverband hat zur Fußball-WM eine Broschüre aus dem Jahr 1989 neu aufgelegt. Der Titel: „Argumente gegen das Deutschlandlied“. Damals schien es möglich, dass für das vereinte Deutschland eine neue, zukunftsweisende Hymne gefunden werden könnte. Ich habe gemeinsam mit dem hessischen Landesvorsitzenden Jochen Nagel das Vorwort zu dieser Neuauflage geschrieben. Mit dem Vorwort wollten wir einen Beitrag zu einer kritischen Diskussion über die Nationalhymne leisten. Das hat bei vielen Menschen leider den Eindruck erweckt, die GEW wolle den Fans die Fußball-WM vermiesen oder spreche sich gar aktuell für ein Verbot oder die Abschaffung der Nationalhymne aus. Wir bedauern diesen Fehler und entschuldigen uns bei allen - vor allem den Pädagoginnen und Pädagogen - für den ihnen entstandenen Schaden.
2.Bereits im Vorfeld der Fußball-WM hatte die GEW in einer Presseerklärung am 7. Juni 2006 zum Engagement aller demokratischen Organisationen aufgerufen, um die Weltmeisterschaft zu einem weltoffenen und gastfreundlichen Ereignis zu machen. Rechtsradikale Störer sollten keine Plattform für ihre dumpfen Parolen bekommen. Dieser Wunsch aller Demokraten ist bisher in hervorragender Weise erreicht worden. Das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wurde von den friedlichen Fans vorbildlich mit Leben erfüllt. Wenn heute junge Fußballfans die Nationalhymne singen, tun sie das aus Lebensfreude und zur Unterstützung der deutschen Mannschaft.
3.Diese Klarstellung konnte leider erst jetzt erfolgen, da ich mich bis gestern auf einem lange vorbereiteten Besuch bei der israelischen Partnergewerkschaft der GEW befunden habe. Zur Klarstellung gehört auch, dass diese Broschüre nicht an die Schulen, sondern vom Landesverband der GEW Hessen an seine Vertrauensleute geschickt wurde.
Na, Herr Thöne, als ob von 33-45 nicht aus voller Brust und “aus Lebensfreude und zur Unterstützung der deutschen Mannschaft” die Nationalhymne gegröhlt worden wäre. Das ist aber leider nicht das Kriterium.
Worauf es wirklich ankommt, haben Sie im Vorwort zur Broschüre doch selbst geschrieben:
“Was wir […] ganz und gar nicht gebrauchen können ist ein Nationalismus, der die immer größer werdende soziale Kluft in diesem Land übertünchen soll”
Leider wird nun der Eindruck erweckt, dass es die GEW für einen Fehler hält, den mit der WM einhergehenden Nationalismus und die Identifikation mit der Nation über den Fussball, zu kritisieren.
Die Einleitung und das erste Kapitel der besagten Broschüre gibt’s bei Labournet als PDF
Begeisterung á la Bild
Die heutige Stimmung, dass wir doch jetzt erst recht „wieder wer sind“, und doch seit 1990 weitere 16 Jahre zur Zeitspanne 1933- 1945 vergangen sind, also ein angeblich „natürlicher Patriotismus“ angesichts der gesellschaftlichen Probleme in diesem Land die richtige Antwort sei, all das ist uns nicht unbekannt.Selbstverständlich bleibt solch eine aufklärerische Aktion nicht unwidersprochen. Die Initiave ist nun einem Dauerbeschuss aus dem rechten Lager ausgesetzt. So titelte die Bild-Zeitung "Lehrer-Gewerkschaft will uns Nationalhymne mies machen" und zitierte als Beweis für die Richtigkeit der eigenen nationalistischen Linie den Autor des Bestsellers "Wir Deutschen":
Als Bildungsgewerkschaft GEW treten wir ganz bewusst und ganz ausdrücklich solchen Stimmungen des Nationalismus und der „deutschen Leitkultur“ entgegen und betonen die Notwendigkeit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart des Nationalismus in Deutschland und eben auch mit der Geschichte und Gegenwart des „Deutschlandliedes“, der Nationalhymne. Die Analyse von Benjamin Ortmeyer „Argumente gegen das Deutschlandlied“ leistet dafür einen fundierten Beitrag.
NMZ.de
Matthias Matussek, Kulturchef des „Spiegel“, zum GEW-Vorstoß: „Kompletter Schwachsinn!“ (ds)Neben so wortgewaltigen Argumentationen setzen andere auf Verbote. Die NRW Schulministerin Barbara Sommer von der CDU will der GEW das auslegen der Schrift untersagen. Solche in Deutschland grundgesetzlich untersagte Zensur rechtfertigt die CDU-Politikerin folgendermaßen:
Sommer warf der GEW vor, sie stelle sich mit ihrer Broschüre „Argumente gegen das Deutschlandlied“ ins Abseits und verunglimpfe die Nationalhymne. Der GEW fehle es offensichtlich am nötigen Geschichts- und Wertebewusstsein, um junge Menschen in die Mitte unserer Gesellschaft zu leiten.Auch der Vorsitzende der hessischen CDU blies ins selbe Horn, und erklärte, „Die GEW schwimmt mit ihrer Kampfansage wider die Nationalhymne gegen den Hauptstrom der Meinung der deutschen Bürgerinnen und Bürger“
RP online
GEW gegen NationalhymneNatürlich bleibt so ein vaterlandsverrätischeres Verhalten nicht ohne reaktionäre Gegenschläge.
Frankfurt/Main. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht im Rahmen der Fußball-WM gegen die deutsche Nationalhymne vor. In den kommenden Tagen sollen alle hessischen Schulen die Broschüre »Argumente gegen das Deutschlandlied – Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation« erhalten. Nach Meinung der GEW transportiere die Hymne eine Stimmung des Nationalsozialismus und der »deutschen Leitkultur«, wie GEW-Chef Ulrich Thöne erklärte.
junge welt vom 15.06.06
Deutsch im Delirium
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erhält deutschnationale Klassenkeile, weil sie mit dem neusten Patriotismusschwall nicht einverstanden ist
Das massenhafte Vorzeigen deutscher Nationalfarben durch deren Aufbringen auf Körperteile, Kopfhaare, Kopfbedeckungen, Kleidungsstücke, durch flächendeckende Verbreitung nationaler Winkelemente über Ausgabestellen wie Lidl, Plus und Aldi, bei denen sich selbst Hartz-IV-Betroffene noch patriotische Textilien oder schwarz-rot-gold getönte Klappsitzkissen leisten können, durch Anbringen der Nationalflagge an Balkonen, Fenstern und Hauswänden führte zu ersten allergischen Reaktionen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kündigte bereits am Mittwoch an, daß alle hessischen Schulen in den kommenden Tagen eine Neuauflage ihrer 1989 erschienenen Broschüre »Argumente gegen das Deutschlandlied – Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation« erhalten sollen. Nach Meinung der GEW transportiert die Hymne eine Stimmung des Nationalsozialismus und der »deutschen Leitkultur«, wie GEW-Chef Ulrich Thöne erklärte. Im Vorwort schreiben Thöne und der Vorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel: »Die GEW erklärt deutlich: Was wir bitter nötig haben, ist eine humanistische Bildung für alle und soziale Verhältnisse, die an den sozialen Bedürfnissen der Menschen und der Jugendlichen aus vielen Ländern in Deutschland orientiert sind.«
Das sind offensichtlich extremistische Forderungen, die mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung unvereinbar sind. Noch vor dem Bundesamt für Verfassungsschutz meldete sich das Zentralorgan für nationalen Farbenexhibitionismus Bild mit »Wir sind stolz auf unsere Hymne!« zu Wort: »Ausgerechnet jetzt kommt uns die miesepetrige Lehrergewerkschaft GEW mit einer Deutschstunde aus den frühen 50er Jahren.«
Der geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger, echauffierte sich wesentlich mehr und bezeichnete die Kritik der GEW an der Nationalhymne als »skandalös« und sprach von einem »ungeheuerlichen Vorgang«. Mit zahlreichen Stellungnahmen war zuvor die Frage bedacht worden, ob Polizeiautos mit deutschfarbigen Winkelementen ausgestattet werden sollten. Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei.PDS Petra Pau fand am Donnerstag, daß der Streit darüber »das Zeug für eine große Anfrage, für eine aktuelle Stunde, für einen Untersuchungsausschuß des Bundestages, für eine richtig deutsche Lachnummer« habe. Und zwar allerspätestens dann, wenn am ersten Polizeiauto die Favoritenflagge von Trinidad und Tobago wehe.
Am 10. Juli, einen Tag nach dem WM-Finale, rückt das deutsche Kongo-Kontingent ab nach Afrika. Nach vier Wochen Deutschfarbenkoller auf allen Fernsehkanälen der Welt sind die Abgesandten deutscher Patrioten dann immerhin bekannt und gut erkennbar.
junge welt vom 16.06.06
Fussball-WM hautnah, 6. TagHamburg:
Es kam wie es kommen musste. Der späte Treffer von Neuville löste die Spannung. Aus Millionen Kehlen ertönte das “Wir sind wieder wer” in unterschiedlichen Varianten. Die Individuen hörten zeitgleich auf zu existieren. Das deutsche Kollektiv steigt ins Auto und zeigt hupend die Fahne des Staates, der endlich aufhören will, für die Individuen verantwortlich zu sein. Heute feiert der Fallmanager mit dem Hartz-IV-Empfänger und die Lidl-Kassiererin mit dem Leistungs-Kontrolleur. Der irrationale Anlass ist der einzige Anlass, der das bewirken kann. Diejenigen, die schon immer Deutsche sein wollten, nicht Mensch, nicht Individuum, können es heute sein. Indem alle Widersprüche verdrängt werden, kann sich der/die Deutsche heute als Sieger/in fühlen. Morgen wird diese Erfahrung der Selbstaufgabe durch den Alltag helfen, die Schikanen des Chefs und das Mobbing der “Kollegen” erträglich machen. Deutschland wird nach dem Sieg über Polen nicht dort einmarschieren. Besetzt werden soll das Bewußtsein der Bevölkerung. Alles für Deutschland - nichts für uns, also Verzicht und Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse ist der Zweck des Patriotismus, der dann zum Nationalismus und schließlich zum Vernichtungsdrang wird, wenn die Betrogenen den Betrug erkennen und Sündenböcke suchen.
Dass der Spuk mit der WM aufhören wird, ist eine verzweifelte Hoffnung.
Keinen Anlass zur Hoffnung gibt allerdings diese Yahoo-Umfrage:
Scheiß Deutsche, was müssen die noch ein Tor machen.
Quelle: nachdenklich
... Kurz darauf wurde aber gleich wieder der teil der Hymne angestimmt, den sie in und auswendig kannten. Nämlich "Deutschland, Deutschland über alles". Im Laufe der Zeit wurden dann noch "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen" angestimmt. Als ein schwarzer Nachbar das Einkaufszentrum durchquerte, in dem ein von einem türkischen Mitbürger betriebenes Internetcafe das Spiel per im Schaufenster stehendem Monitor das Spiel für die Hartzer verfügbar macht, kamen Rufe wie "Neger, geh nach Hause" und "Geh doch zuhause, du alte Scheisse" auf. Lustig wurde es immer dann, wenn sich die "Fans" nicht ganz klar waren, um welch ein Spiel es sich hier eigentlich handelte, und Sprechchöre wie "Wer wird deutscher Meister? HaHaHaHSV" aufkamen. Dies war mit Sicherheit eine Folge des massenhaft konsumierten Dosenbiers. Zur Zeit werden ordentlich Feuerwerkskörper abgefeuert, bei denen man sich fragt, wo man diese denn ausserhalb der Sylvesterzeit zu kaufen bekommt. Gerade johlen sie mal wieder "Deutschland Deutschland über alles" und zur Krönung wurde in einem Baum eine schön große Reichskriegsflagge gehisst. Ein "schöner" Abend in unserem sonst sehr multikulturellen Viertel. Daß die dunkelhäutigen Mitbürger heute wohl eher weniger in Erscheinung treten ist wohl der Internationalität des Balltretfestes geschuldet. Zu Gast bei Freunden, nicht war ?
macht euch keine sorgen, im süden ist es auch nicht besser...
da wird man/ frau mal als polackenschwein tituliert, wenn die jubelarien nicht mitgetragen werden, besoffene prolls schmettern dir ein "rechtsradikal, rechtsradikal" entgegen, die stadt ist voller schwarz- rot- goldener arschgeigen, und am allerschlimmsten sind unsere mia-deutschen, die endlich ihr gesundes nationalgefühl gefunden haben und "unsere" elf unterstützen... ich kann gar nicht soviel fressen wie ich kotzen möchte
In Halle Saale hat Mensch sich auch das Spiel angesehen. Auch hier kam es zu sieg heil rufen . in der innenstadt sin leute mit rechskriegsflaggen und nationalflaggen rumgelaufen und haben sprüche wie deutschlan deutschland ,deutschland den deutschen und ausländer raus gerufen auf mich persönlich hat es schon wie eine progromstimmung gewirkt. Da wir eine polenfahne dabei hatten und unsere solidarität gegenüber den polen bekundeten war es dann schnell an der zeit zu gehen da der deutsche mob zunehment agressiver wurde aber was soll es wir sind ja zu gast bei freunden juhu die welt zu gast in deutschland mal sehen wie weit sich der spuck noch entwickelt
Mit der Reichsfahne wurde in Hamburg auf dem FIFA-Fanfest gefeiert...
Editorial
Die Redaktion
Dieses ist nicht mein Land, aber: ich lebe hier! - Die WM im eigenen Lande
Die Redaktion
22 legs that make a nation: Fussball und deutscher Nationalismus
Lars Bretthauer
FC Germania
NaturfreundeJugend Berlin
Der Fall Ogungbure: Ein ganz alltäglicher Vorgang
Matthias Gärtner
Please call me white: Nazis bei der WM
Lars Bretthauer
Alle zu Gast bei Freunden? Homophobie im Fußball
Tanja Walther
Fußballfans sind Touristen sind Kunden sind Exporteure
Lars Bretthauer
Die Angst der Bundeskanzlerin vorm Torwandschießen
Matthias Jaenicke
Jürgen Klinsmann als »organischer Intellektueller« des Neoliberalismus
Matthias Jaenicke
Es ist noch alles drin
Franz Schick
Das einzig wahre WM-Quiz! [pdf, 220 kb]
Die Redaktion
Linker WM-Kalender für Berlin [pdf, 164 kb]
kick it Berlin
Zapatismus, Fußball und Rebellion
Dario Azzellini
Die WM-Option. Bundeswehr im Inneren
Christian Schröder
3:0 für den 1. FC Grundrechtsabbau
Danny Butter
Subkultur auf der Tribüne
Niklas Wittkowski
Kick off Homelessness: Homeless World Cup - Fußball-WM der Obdachlosen
Christian Schröder
Halbzeitgedanken über die mediale Inszenierung des Fußballs
Mikiya Heise
Fahr zur Hölle Nedved!
Tobias Heidemann
Rezension I: gender kicks
Julia Bretthauer
Rezension II: Fußball als Realitätsmodell
Lars Bretthauer

Fair play - fair pay
Für menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Sportswear
Das Fußballfieber grassiert - und die weltweit agierenden Sportbekleidungs- hersteller geben riesige Summen aus, um ihre Produkte mit den sportlichen Ideal in Verbindung zu bringen (Angaben der Marken und Mediaforschung). Fair Play soll nicht nur auf dem Fußballfeld gelten, sondern ebenfalls für die, die an den Arbeitstischen für Sportswear schwitzen.

Die Geschäftspraktiken großer Sportbekleidungshersteller verstoßen gegen Geist und Buchstaben der FIFA.
"Fairplay ist ein wichtiger Bestandteil des Fussballs und steht für Verhalten gemäss Spielregeln, Vernunft und Respekt für seine Mitspieler, die Schiedsrichter, Gegner und Fans. Die Fairplay-Kampagne geht aber über das reine Fairness-Gebot auf dem Spielfeld hinaus... Auch die FIFA kann sich den umstrittensten Themen unserer Zeit (Gleichberechtigung, Frieden, Rechte der Kinder, Gesundheit, Bildung und Umweltfragen) nicht entziehen. Die Bekämpfung von Diskriminie-rung, Rassismus und Kinderarbeit sowie der Einsatz für eine bessere Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit für Mädchen und Jungen sowie die soziale Integration Behinderter sind einige der Schwerpunkte des langjährigen sozialen Engagements der FIFA."
FIFA und Fair Play (deutsch)

Die Beschäftigten im Abseits
Während die Medien weltweit ausgiebig über den Kampf um sportliche Erfolge berichten, werden abseits der Kameras Tausende von Beschäftigten - meist Frauen in Entwicklungsländern -, die Trainingsanzüge, Turnschuhe, Turnhemden und Team-Uniformen herstellen, einen ganz anderen Kampf ausfechten. Auch sie brechen Rekorde für die weltweite Sportbekleidungsindustrie: sie arbeiten immer schneller und länger unter härtesten Bedingungen für Hungerlöhne, um mehr Waren und mehr Profite zu produzieren. Aber für sie gibt es keinen Pokal, keine Belohnung und keine Anerkennung seitens der Industrie, in deren Dienst sie stehen.

Wir fordern konkrete Verantwortungsübernahme der Sportartikelindustrie und der FIFA!

Kurz vor der WM brandete in den etablierten Medien eine Diskussion über sogenannte NO-GO-Areas auf, in denen vermeintliche "Ausländer" und Menschen nicht-deutscher Herkunft mit Verfolgung und Mordanschlägen zu rechnen haben. Anlass waren u.a. dutzende von rassistischen Übergriffen am sog. "Herrentag", also Christi Himmelfahrt. Außerdem hatte der frühere Bundesregierungssprecher Uwe-Carsten Heye WM-Touristen mit dunkler Hautfarbe vor dem Hintergrund rassistisch motivierter Überfälle vor Besuchen einiger ostdeutscher Orte gewarnt. Selbstverständlich beeilten sich die üblichen Verdächtigen aus der rechten Ecke, die rassistische Gewalt zu verharmlosen und auf die angebliche Gewalt gegen blonde und blauäugige "Arier" hinzuweisen. Nicht nur deswegen schien die Debatte von Beginn an verlogen - v.a. der Zeitpunkt läßt Rückschlüsse zu. Seit Jahren wird das rassistische Klima in Deutschland geleugnet und Übergriffe gegen vermeintliche Fremde geflissentlich ignoriert. Angesichts 150 nazistischer Morde seit der Widervereinigung gäbe es wahrlich genug Grund, sich des Themas zu widmen. Doch erst zur WM wird die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland kritikwürdig - man möchte schließlich nicht, dass zahlungskräftige Touristen Opfer werden. Wie ernst gemeint die Statements sind, kann man den tatsächlichen diskriminierenden Taten entnehmen. Ehrlicher und sinnvoller als die Mahnungen der etablierten Medien und Parteien sind die Aktivitäten antirassistischer Initiativen, die während der erhöhten Gefahrenlage während der WM besondere Maßnahmen ergreifen, um vermeintliche "Fremde" - egal ob mit deutschem Pass oder ohne - vor deutscher Gewalt zu schützen.Während der Fußball-WM in der BRD wird befürchtet, dass es vermehrt zur Bildung von Angsträumen für MigrantInnen kommen könnte. Rechte Hooligans, Neonazis oder deutschtümmelnde Fußballfans könnten in einer aufgeheizten Stimmung Jagd auf alles nicht-deutsche machen. Aus diesem Grund gibt es in Berlin eine selbstorganisierte Hotline in verschiedenen Sprachen. Hier können sich Opfer, aber auch Zeugen von Übergriffen melden.Die Telefonnummern und weitere Infos sind unter www.racismhelpline.de zu finden.

QuelleZu Gast bei Spitzeln
Münchner Polizei wirbt zur WM Hoteliers als Hilfssheriffs an. Araber und Osteuropäer unter Generalverdacht
von Ludwig König
Wer während der Fußballweltmeisterschaft in einem Münchner Hotel zu Gast ist, kann sich unversehens in einem Polizeicomputer wiederfinden. Vorausgesetzt, er stammt aus einem islamischen Land, könnte – rein altersmäßig – ein Hooligan sein, oder seine osteuropäische Herkunft weist ihn als potentiellen Taschendieb aus. In einem Brief an Münchner Hoteliers fordert die Polizei zur verallgemeinerten Denunziation von ausländischen Gästen aus sogenannten »Problemstaaten« auf. »Wie Ihnen durch zahlreiche Pressemitteilungen sicherlich bekannt ist, muß zur Fußballweltmeisterschaft neben der Einreise zahlreicher Fußballfans auch mit einem erhöhten Aufkommen sicherheitsrelevanter Personenkreise gerechnet werden«, heißt es in dem jW vorliegenden Schreiben eines Polizeihauptmeisters Berger von der Polizeiinspektion 31 in der Beethovenstraße. »Die Polizeiinspektion 31 ist in diesem Zusammenhang auf Ihre Mitwirkung angewiesen. Von großer Bedeutung für die Sicherheitsbehörden ist, frühzeitig über den geplanten Aufenthalt folgender Gruppen Hinweise zu erhalten: 1. Fangruppen, die durch Alter, Zusammensetzung und Auftreten für Gewalttätigkeiten in Frage kommen 2. Personengruppen aus dem ost- und südosteuropäischen Raum (Einbrecherbanden, Taschen- und Trickdiebe) 3. Personen aus den sog. Problemstaaten (s. beigefügte Auflistung) 4. Angehörige der illegalen Prostitutionsszene« Die beigefügte Liste der »Problemstaaten« enthält 26 Nationen, die ausschließlich dem islamischen Kulturbereich angehören – von A wie Afghanistan bis V wie Vereinigte Arabische Emirate. Auch Israel wird genannt, allerdings mit dem Vermerk »nur Palästinenser«. Die Hoteliers werden unter Umgehung des Amtsweges und des Datenschutzes gebeten, die Polizei über Vorreservierungen entsprechender »Personenkreise« zu informieren und ihr ab dem 1. Juni Fremdenmeldescheine von Gästen aus den angeführten Staaten per Fax zukommen zu lassen. »Von äußerster Wichtigkeit ist, daß die Meldescheine ordnungsgemäß ausgefüllt und die angegebenen Daten von Ihnen anhand von Ausweisdokumenten überprüft werden.« Das Vorgehen der Münchner Polizei ist nach Auskunft eines Rechtsanwalts in mehrfacherer Hinsicht illegal. So sei es unzulässig, ganze Personengruppe lediglich aufgrund ihrer Herkunft unter Generalverdacht zu stellen. Bevor Ermittlungen eingeleitet werden, müsse von der Polizei ein konkreter Verdacht festgestellt werden. Die Delegierung solcher Hilfspolizeidienste an Privatleute sei dabei als Verstoß gegen das Polizeiaufgabengesetz zu werten. Erst im Mai hatte das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil zur Rasterfahndung massenhafte Datenerfassung nur dann für zulässig erklärt, wenn der »Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes« oder Menschenleben bedroht sind. Unklar ist, ob die Initiative zur Spitzelanwerbung von einer untergeordneten Dienststelle ausging oder ob möglicherweise auf Weisung des bayerischen Innenministeriums gehandelt wurde. Ein Vertreter der Polizeiinspektion 31 bestätigte auf jW-Nachfrage zwar, daß ein derartiges Schreiben an Hoteliers existiere. Zu weiteren Auskünften sah sich das Münchner Polizeipräsidium allerdings trotz mehrfacher Nachfrage bis Redaktionsschluß nicht in der Lage.